Sonntag, 23. Januar 2011

Eine Beschwörungsformel ist nicht erforderlich

Die Literatur ein Spiel. Lassen wir sie als solches gelten und betrachten sie in zweierlei Hinsicht.

Zunächst aus der Sicht des Schreibers. Ich sage bewusst weder Schriftsteller noch Autor, weil in diesen Begriffen bereits eine Wertung steckt. Im Begriff Schreiber aber steckt wesentlich - man könnte auch sagen: lediglich - die Umschreibung des literarischen Entstehungsprozesses. Diese Betrachtungsweise ist mir allemal sympathischer, scheint mir zutreffender zu sein, ohne Hokuspokus.

(An dieser Stelle eine Zwischenbemerkung sowie maßgebliche Aussage für das Gesamtverständnis dieses Blogs: wir sind uns doch einig darüber, dass wir unter Literatur, so wie sie hier abgehandelt wird, nur das verstehen wollen, was folgenden, ernsthaft angewandten Kriterien standhalten kann: Schreibkunst, Tiefe des Gedankens, Gefühl. – Diesem Konglomerat wollen wir uns also widmen.)

Solange an einem Werk geschrieben wird, ist noch keine Literatur vorhanden, diese noch nicht. Wenn der Schreiber die Feder aus der Hand legt, wird sie geboren, dann ist diese da (ungeachtet einer eventuellen Publikation). Es kann sich auch um ein Fragment handeln, warum denn nicht, es sollen ja schon Leute gestorben sein, bevor sie mit ihrer Arbeit fertig waren. Entscheidend ist, dass der Schreiber sich (zu Lebzeiten, versteht sich) zurücklehnt, besinnt, nickt und denkt: So, das war’s! – Der erste Zug ist also gemacht. Den zweiten macht der Leser.

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